Berlinale‑Premiere für unsere Pflegerin Shanthi in „The Lights, They Fall“

Wie kam es dazu, dass du in dem Film mitspielst?

Eines Tages hing in unserer Diakonie-Station ein Aushang für ein Casting. Ich war gerade bei der Arbeit und habe die Anzeige gesehen. Gesucht wurden echte Pflegekräfte, die Erfahrung mit Menschen, Pflege und Palliativsituationen haben. Ich dachte: Das klingt interessant. Auch Kolleginnen haben mich angesprochen und meinten, ich solle es versuchen.

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© DPV | 2026

Das Casting fand dann in einem Raum der Diakonie-Station Mitte statt. Zwei Kolleginnen aus der Station Tiergarten und ich sind hingegangen – einfach so, „just for fun“, um es mal auszuprobieren. Es war ein sehr nettes Gespräch mit dem Regisseur. Am Ende habe ich zu ihm gesagt: „Sie dürfen mich alles fragen, aber nicht, wie alt ich bin.“ (lacht) Und dann hat es tatsächlich geklappt.

Wusstest du zu dem Zeitpunkt, worum es in dem Film geht?

Nein, nur dass sie eine echte Pflegerin suchen und keine Schauspielerin. Jemanden, der den Beruf kennt, die Handgriffe beherrscht und ein Herz für Menschen hat. Das bringt man ja aus der Pflege automatisch mit.

Wie war es für dich, mit dem Filmteam zu arbeiten?

Es war großartig. Alle waren sehr freundlich, viele junge Leute. Sie haben mich für die Drehtage immer von zu Hause abgeholt und wieder zurückgebracht. Das ganze Set – das war für mich etwas völlig Neues. Ich wusste vorher gar nicht, wie eine Filmproduktion funktioniert. Wer finanziert so etwas? Was kostet ein Film? In Deutschland läuft ja vieles über Filmförderung. Und ich kann mir vorstellen, dass die Geschichte auf wahren Erlebnissen basiert.

Was hat dich besonders an den Menschen dort berührt?

Ich war die Älteste am Set, die anderen waren alle jünger. Trotzdem wussten alle sofort, wer ich bin, und haben mich herzlich aufgenommen. Das hat mich sehr gefreut.

Wie haben deine Familie, Freunde und Kollegen reagiert?

Die haben sich riesig gefreut. Wirklich sehr.

Der Film ist ja kein Liebesfilm, sondern hat viel mit deiner Arbeit zu tun. Inwiefern passt deine berufliche Erfahrung zur Rolle?

Die Premiere steht noch bevor, ich habe den Film selbst noch nicht gesehen. Aber ich habe schon viele Menschen beim Sterben begleitet – und genau darum geht es im Film. Einmal ist sogar jemand während einer Pflegesituation in meinen Armen gestorben. Das war sehr bewegend. Aber wenn man jeden Tag eine Tür aufmacht und reingeht, muss man jedes Mal bereit sein.  

In der Rolle war es ähnlich. Ich spiele die Pflegerin der Mutter. Das kann man schwer „spielen“. Ich habe einfach meine Erfahrung eingebracht – die Handgriffe, meine Art, meine Haltung. Ich glaube, das sieht man.

Was würdest du dir wünschen, was Zuschauer aus einem Film über Palliativpflege mitnehmen?

Vor allem, wie belastend die Situation für Angehörige sein kann – psychisch und emotional. Im Film ist der Sohn erst 16. Er wollte nicht wahrhaben, dass seine Mutter sterben wird. Das begegnet uns in der Pflege oft: Angehörige, die den Abschied nicht akzeptieren können.

Braucht es dafür professionelle Unterstützung, wie zum Beispiel unsere Diakonie-Station?

Ja, unbedingt. Genau dafür sind wir da.

Es gibt ja auch Gruppen für junge pflegende Angehörige, wie „Echt unersetzlich“ aus dem Projekt „Pflege in Not“.

Ja, und ich denke, im Film sieht man gut, wie schwer das für junge Menschen ist. Es ist wichtig, dass sie Kontakt zu anderen bekommen, die in der gleichen Situation sind – wie eine Art Gruppentherapie. Nicht allein sein.

Hat der Film deiner Meinung nach gesellschaftliche Relevanz? Über Palliativpflege in Familien mit Kindern hört man wenig.

Ja, das ist wichtig. Und der Film macht genau darauf aufmerksam.

Wie geht es für dich jetzt weiter?

Ich freue mich sehr. Ich habe allen geschrieben, dass ich mich darauf freue, das Team wiederzusehen. Nach den Drehtagen hatten wir eine Feier. Wir haben getanzt, gelacht – das war wirklich schön. Eine tolle Zeit.

Was bedeutet dir dein Pflegeberuf?

Ich finde, Pflege ist ein wunderschöner Beruf. Man braucht wirklich Herz dafür. Neben meiner Rente arbeite ich noch etwas weiter. Ich erinnere mich noch gut, als ich mich 1991 vorgestellt habe. Mein Mann war unsicher, ob ich diese Arbeit machen kann. Gelernt habe ich den Beruf in Sri Lanka. Und damals, jung und mit High Heels, habe ich gesagt: „Lass mich probieren.“ Und ich bin bis heute dabei - in der Diakonie.

Interview: Jenny Pieper-Kempf mit Shanthi Philipp 

Berlin, 04.02.2024